Samstag, 2. Juli 2016

[Rezension] Schwarze Magnolie


Autorin: Hyeonseo Lee | Verlag: Heyne Verlag | erschienen am 13. Juli 2015
  416 Seiten | Preis: 19,99 € (gebundene Ausgabe) | ISBN: 978-3453200753


Handlung
Kurz vor ihrem 18. Geburtstag beschließt die junge Nordkoreanerin, die damals noch Min-young Park hieß, über den gefrorenen Fluss nach China zu schleichen. Ein letztes verbotenes Abenteuer, bevor sie erwachsen wird. Doch dann kommt es ganz anders, der Rückweg ist ihr versperrt und sie muss notgedrungen in China bleiben - in ständiger Gefahr entdeckt und ausgeliefert zu werden.


Cover und Titel
Das Cover zeigt die Biografin. Es ist ganz hübsch, aber nichts besonderes. Das bewertet jetzt aber nicht das Aussehen von Frau Lee, sondern nur die Komposition des Covers. Für ein Biografie-Cover ist es sogar ziemlich bunt.

Besonderes Augenmerk möchte ich aber auf den Titel legen. Er passt überhaupt nicht zum Buch! Und ich verstehe nicht, warum man nicht einfach den Originaltitel übersetzt hat. Auf Englisch heißt das Buch "The Girl With Seven Names", was ebenfalls sofort Interesse weckt und zudem zieht sich diese Thematik wie ein roter Faden durch das Buch. "Schwarze Magnolie" hingegen hat so gar keinen Bezug zum Inhalt. Die Magnolie ist die Nationalblume von Nordkorea, meinetwegen, und soll der deutsche Titel dann so eine Abwandlung von "schwarzes Schaf" sein, weil sie geflohen ist? Ich verstehe nicht, was das soll.

Hinzu kommen noch diese überdramatischen Untertitel. "Wie ich aus Nordkorea entkam" ist ja noch okay, wobei sie ja eigentlich nur aus Versehen "entkommen" ist, das wollte sie ja eigentlich gar nicht. Aber dann noch "Ein Bericht aus der Hölle"... Das soll einfach nur die Verkaufszahlen hochtreiben. Die Biografin selbst hat zwar in Nordkorea auch nicht nur glückliche Momente erlebt, gehört aber doch zu den Privilegierten und hat von "der Hölle" selbst kaum etwas mitbekommen. Also bitte...


Das Mädchen mit den sieben Namen
Nachdem Mut zur Freiheit von Yeonmi Park gelesen hatte, wollte ich noch eine zweite Nordkorea-Biografie lesen, um vergleichen zu können. Und ich bin sehr froh darüber, denn Hyeonseo Lee gibt einem noch einmal völlig andere Einblicke in dieses Land. Beide Frauen stammen aus der Grenzstadt Hyesan und haben jahrelang illegal in China gelebt, bevor sie schließlich nach Südkorea flohen. Das ist jedoch auch schon alles, was die beiden gemeinsam haben.

Im Gegensatz zu Yeonmi Park ist Hyeonseo Lee in Nordkoreas Oberschicht aufgewachsen und führte daher ein eher angenehmes Leben dort. Selbst die große Hungersnot musste sie nie am eigenen Leib erfahren. Allerdings war es sehr spannend, unter was für schlechten Umständen selbst die hochrangigen Familien zum Teil leben müssen. So beschreibt sie zum Beispiel eine Wohnung, in der die Familie gelebt hat, mit schwarzem Schimmel an der ganzen Außenwand und ohne Heizung oder warmes Wasser.

Zudem hat Hyeonseo Lee viel länger die Schule besucht und auch die Jungpioniere, die entfernt vergleichbar mit der Hitlerjugend sein dürften. 

In China war ihr Weg ein sehr untypischer. Sie gelangte nicht durch Schleuser hinüber, sondern ging alleine und kam zunächst bei Leuten unter, die sie kannte. Bald schon jedoch musste sie sich allein durchschlagen und sie gehört wohl zu den ganz wenigen, die nie gezwungen waren im Rotlichmileu zu arbeiten. Auch ihre Flucht in den Süden könnte untypischer nicht sein. Man sagte ihr damals, sie gehöre zu den seltenen 1 %, die auf diesem Wege ins Land kommen. Umso schwieriger gestaltete es sich, ihre Familie nach zu holen. Ich habe wirklich mit ihr gelitten!

Hyeonseo Lee verwendet zudem eine etwas gebildetere und erwachsenere Sprache als Yeonmi Park, was vielleicht auch daran liegen könnte, dass sie älter ist. Da beide in Südkorea gute Universitätsabschlüsse erlangt haben, würde ich das nicht auf einen Bildungs- oder Intelligenzunterschied schieben.

Fazit
Ich bin sehr froh, noch ein anderes Buch zu diesem Thema gelesen zu haben und war doch überrascht, wie wenig Gemeinsamkeiten die beiden Geschichten der jungen Frauen aufweisen. Aber es zeigt uns deutlich, dass es unzählige dieser Geschichten dort draußen gibt und auf lange Sicht möchte ich gerne noch mehr davon hören bzw. lesen.






Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen