Samstag, 16. Juli 2016

[Rezension] Wintergäste


Autorin: Sybil Volks | Verlag: dtv premium | erschienen am 21. August 2015
 416 Seiten | Preis: 14,90 € (broschierte Ausgabe) | ISBN:978-3-423-26080-0



Handlung
Inge Boysen wird irrtümlich für tot gehalten. Als sie wieder erwacht, ist bereits die gesamte Verwandtschaft benachrichtigt worden und auf dem Weg. Und während ein Schneesturm die drei Generationen der Familie, deren Mitglieder nicht unterschiedlicher sein könnten, sie von der Außenwelt abschneidet, schwelgen sie in Erinnerungen, lüften alte Geheimnisse und halten selbst Wahrheiten verborgen.



Cover
Das Cover finde ich sehr ansprechend, denn ich liebe so alte Reetdachhäuser. Da ich selbst vom Meer komme, hat mich das Cover also sofort angezogen und es damit geschafft, mir im Gewimmel der FBM aufzufallen.

Da das Haus der zentrale Ort und auch ein wichtiges Thema im Buch ist, wurde das Motiv durchaus passend gewählt, ebenso wie das Foto unten in der Ecke, denn es geht ja vielfach um Vergangenes.



Leben, Sterben und Streiten an der Nordsee
Die Charaktere fand ich alle sehr interessant, abwechslungsreich und auch ihre Beziehungen zueinander gut gesponnen. Man erkennt, was jeder will und wie es zu Missverständnisse kommt durch die Dinge, die man übereinander nicht weiß.

Besonders Inka und Berrit hatten es mir angetan, weil ich mich in ihnen am ehesten wiederfinde. Gut gemacht fand ich auch ihre Beziehung zueinander, denn sie sind sich in vielem unheimlich ähnlich, wissen es aber gar nicht, weil sie sich zuerst kaum miteinander beschäftigen und sich mit mit ihren Vorurteilen begnügen.

Auch das Setting finde ich toll ausgearbeitet. Ich persönlich stamme nicht von der Nord- sondern von der Ostsee, aber dennoch habe ich mich in diesem Buch sehr wohl und etwas wie zu Hause gefühlt.

Nicht gefallen hat mir leider die Handlung, sofern man das überhaupt als Handlung bezeichnen kann, denn eigentlich gibt es gar keine.

Daher habe ich mich auch unheimlich schwer getan, dieses Buch in ein Genre einzuordnen. "Familiendrama" hätte am ehesten gepasst, aber da es auf meinem Blog wohl für immer alleine unter diesem Label bleiben würde, habe ich mich für "Sozialdrama" entschieden. Anderweitig habe ich auch schon "Liebesroman" oder "Frauenroman" gesehen, was ich aber auch nicht ganz passend finde.

Problem ist, dass dieses Buch keine einzige Problematik, die sie aufwirft, wirklich vertieft. Sie wird weiter durchgeschleppt und hört am Ende in der Luft auf, ohne dass eine erkennbare Entwicklung stattfinden würde. Viele Handlungsstränge laufen parallel, manchmal treffen sie sich zufällig, andere bleiben ganz allein stehen.

Ein Ende gibt es auch nicht, das Buch hört einfach so auf. Es wird kaum eine Frage beantwortet, die darin aufgeworfen wird. Ich persönlich hasse offene Enden und hier habe ich ja sogar gleich mehrere in einem Buch. Im Grunde bin ich am Ende so schlau wie am Anfang und das hinterlässt bei mir das blöde Gefühl, dieses Buch völlig umsonst gelesen zu haben.

Was außerdem auffallend war: Immer, wenn sich ein Problem gerade gelöst hat, passiert etwas, das die Lösung sofort wieder aufhebt und das wirkt sehr gestellt und lässt mich mit den Augen rollen, weil man nicht einmal in diesem Punkt ein richtiges Ende stehen lassen kann.

Manche Stränge konnte ich auch so gar nicht in das Gesamtgeschehen einflechten.

Genau dieser Punkt ist in vielen anderen Rezensionen auch kritisiert worden und ich habe mich selten beim Lesen anderer Rezensionen so verstanden gefühlt wie bei denen, zu diesem Buch!


Fazit
Wie man dem Kleingedruckten der Seite des Buches beim dtv Verlag entnehmen kann, scheint es demnächst noch einen Folgeroman zu geben, das war aber zu dem Zeitpunkt, als ich es gelesen habe, noch nicht bekannt. Obwohl das Buch vor allem mit dem Ende sehr enttäuscht hat, werde ich mir den Nachfolger holen, da mir die Charaktere größtenteils wirklich gut gefallen haben und auch die Atmosphäre in dem kleinen, alten Haus. Vielleicht werden all die losen Fäden ja im Folgeband auch endlich verknüpft und zu einem sinnvollen Schluss gebracht.




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