Montag, 11. September 2017

[Rezension] "Bis zum letzten Tropfen" von Mindy McGinnis

 Autorin: Mindy McGinnis | Verlag: Heyne Verlag | 320Seiten
erschienen am 11. August 2014 | Preis: 14,99 € (Hardcover) | ISBN: 978-3453268975




Handlung
Lynn lebt allein mit ihrer Mutter in einem alten Farmhaus an einem Weiher. In ihrer Welt ist Wasser zu einem kostbaren Gut geworden - so kostbar, dass man es mit seinem Leben verteidigen muss. Zudem grassieren Seuchen und auch wilde Tiere sind eine Bedrohung. Dieses Leben hat Lynn stark geprägt. Erst, als ihre Mutter ums Leben kommt und Lynn ganz allein auf sich gestellt ist, ergeben sich zögerlich Kontakte zu anderen Menschen. Zum ersten Mal begegnet sie Leuten, die sich bisher nur durch das Zielfernrohr ihres Gewehrs gesehen hat.




Cover
Das Cover ist sehr ähnlich wie auch das Cover des englischsprachigen Originals. Es zeigt uns den Weiher und das Haus samt Lynn auf dem Dach. Das Haus im Buch ist allerdings gräßer als diese Hütte auf dem Bild. Damit finde ich das Motiv ganz passend gewählt. "Passend" ist auch genau das richtige Adjektiv, zu etwas begeisterterem kann ich mich nicht hinreißen lassen. Es ist weder hässlich, noch haut es mich vom Hocker - die neutrale Mitte eben.




"Die Dinge haben sich geändert, und wir ändern uns mit ihnen."
Gleich vorweg: Vergesst den Klappentext. Ich frage mich ein wenig, ob derjenige, der ihn verfasst hat, das Buch so wirklich gelesen hat, er stimmt nämlich vorne und hinten nicht. Na gut, der Anfang stimmt.^^

Also der Reihe nach: Lynn lebt mit ihrer Mutter alleine an einem Weiher. Es gibt kaum noch Wasser in den Vereinigten Staaten, die Gesellschaft ist zusammengebrochen, nur in den den Städten gibt es noch Wasser, wo sich die Menschen zu tausenden in Elendsvierteln angesiedelt haben. Nur einige wenige leben noch draußen und verteidigen die seltenen Wasserquellen, die es noch gibt. Seit sie denken kann, haben Lynn und ihre Mutter auf jeden Eindringling geschossen. Andere Menschen hat sie noch nie aus der Nähe gesehen.

Doch schließlich kommt ihre Mutter ums Leben und Lynn ist auf sich gestellt.
Hier begann eine Phase, die für mich zunächst schwierig und unbefriedigend war. Nicht, weil sie schlecht geschrieben gewesen wäre - überhaupt nicht! Sondern, weil der Klappentext davon spricht, Lynn würde die Farm verlassen und Hilfe holen oder einfach wegziehen. Und darauf habe ich gewartet, gewartet, gewarten ohne dass es kam. Weil das nämlich auch gar nicht der Plot dieses Buches ist! Ich habe schlichtweg das Falsche erwartet aufgrund eines falschen Klappentextes.

Vielmehr geht es darum: Auf der anderen Seite des Feldes lebt ein Mann namens Stebbs. Lynn kennt ihn noch aus Kindertagen, seit er sich einmal schwer verletzt zu ihnen herübergeschleppt hat, aber seither hat sie ihn nur durch das Zielfernrohr ihres Gewehrs gesehen. Eines Tages beobachtet sie ihn, wie er in der Mitte des Ackers etwas hinterlässt - einen Zettel, wie sich herausstellt. So knüpft Lynn ganz langsam und höchst misstrauisch Kontakt zu einem anderen Menschen. So kommt dann die eigentliche Handlung dieses Buches ins Rollen. Und genau darum geht es: Um Lynns Entwicklung, wie sie sich verändert, wie sich die Sicht auf die Welt verändert und natürlich erfährt sie dabei allerhand, das sie noch gar nicht wusste.

Teilweise fand ich das Buch recht vorhersehbar, etwa den Verlauf der Geschichte des Nebencharakters Neva. Anderes kam sehr überraschend. Manches davon fand ich zu unglaubwürdig und zu gestellt, etwa der Teil mit einem gewissen rothaarigen Mann gegen Ende. Auch mittendrin, vor allem in der zweiten Hälfte, finden sich dann einige Logikfehler. So werden beispielsweise die lebenswichtigen Arbeiten, um Trinkwasser zu gewinnen, später nicht mehr durchgeführt oder jedenfalls nicht mehr beschrieben. Auch wird an einer Stelle geschildert, als es stark regnet, es gäbe ein Regenrohr, durch das Regenwasser durch das Dach in die Badewanne im Haus geleitet wird und Lynn nutzt dies aus, um das Regenwasser zum baden zu verwenden. Warum haben sie sich dann bei dem ersten Sturm draußen mit Pastikflaschen abgequält, wenn man das Wasser zugleich auch in der Badewanne hätte auffangen können? Zumindest hätte man diese Option ja gleichzeitig auch nutzen können. Warum sollte jemand sich die Mühe machen da eine Leitung durch das Dach zu legen, um sie dann nicht zu nutzen, um Wasser aufzufangen, sondern nur um aufgekochtes Badewasser zu kühlen? Das fand ich unlogisch. Und solche Kleinigkeiten habe ich gegen Ende öfter gefunden. Allerdings halte ich mich an so etwa dann nur kurz auf. Manchmal ist es ratsam, so was einfach hinzunehmen und sich den Spaß an der Geschichte nicht durch solche Winzigkeiten verderben zu lassen. Wir sprechen hier wirklich von kleinen Dingen; große Plotholes gab es nicht. Insgesamt hat mir das Buch trotzdem ziemlich gut gefallen. 

Die Darstellung von Lynn ist sehr gut gelungen. Man versteht genau, warum sie so ist, wie sie ist und ich finde sie sehr echt und glaubwürdig dargestellt. Ihre Entwicklung verläuft nicht zu abrupt, sondern genau richtig. Sie ist skeptisch und hat ihren eigenen Kopf - das Leben, das sie geführt hat, hat sie eben geprägt - und trotzdem wirkt sie nie zickig. Auch die Nebencharaktere waren wir zum größten Teil sehr sympathisch und waren gut ausgearbeitet.

Auch das Ende fand ich sehr stimmig, wenngleich mir der Epilog zu vollgestopft war. Da wäre etwas weniger sicher mehr gewesen. Davon abgesehen war es aber gut gelungen.

Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen und fängt sehr gut die Atmosphäre ein, in der Lynn sich wiederfindet. Manchmal ist er sehr nüchtern und geradeheraus, aber genau das passt genau zu diesem Buch und auch zur Hauptfigur. An anderen Stellen wird er wiederum eher poetisch. Insgesamt balanciert sich das sehr gut aus und es findet sich immer die richtige Wortwahl am richtigen Fleck.



Fazit
Trotz einiger Kritikpunkte ein sehr gelungenes Werk. Das Thema mit der Wasserknappheit ist sicherlich nicht neu, aber hier finden wir eine sehr gelungene Umsetzung, die ich gerne jedem Postapokalypsen-Fan empfehle.




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