Samstag, 24. Februar 2018

[Rezension] "Schwarzfall" von Peter Schwindt



Autor: Peter Schwindt | Verlag: Piper Verlag | 288 Seiten
erschienen am 01. Mai 2010 | Preis: 8,95 € (Taschenbuch) | ISBN: 978-3492258166



Handlung
Aufgrund einer monatelangen Hitzewelle müssen Kraftwerke und Oberleitungen weitgehend stillgelegt werden. Die Folge ist ein plötzlicher Stromausfall in ganz Frankfurt - niemand weiß, wie lange er andauern wird. Nach und nach wird die Stadt ins Chaos gestürzt.



Cover
Das Cover fand ich ganz ansprechend und es passt zum Buch, auch wenn ich nicht auf Anhieb erkannt habe, dass es eine zerplatzende Glühbirne darstellt. Bei dem Titel frage ich mich aber, was er bedeuten soll. Ist Schwarzfall jetzt ein neologistisches Synonym für Stromausfall? Habe ich leider noch nie gehört, aber vielleicht gibt es das ja auch wirklich und ich kenne es nur nicht.



What did I just read...?
So interessant sich das Buch zunächst auch angehört hat, so enttäuschend wurde es dann.

Fangen wir an mit den Charakteren. Ich habe es noch nie vorher erlebt, dass mir so gut wie alle Charaktere und insbesondere die Hauptcharaktere so unsympatisch waren! Sympathisch waren mir nur Katharina Debus, die als Ärztin im Krankenhaus arbeitet, und Jessie, die aufgrund von Allergien ihren Beruf als Friseurin nicht mehr ausüben kann, sich um ihren dreijährigen Sohn Marvin kümmert und noch dazu einen furchtbaren Freund hat.
Kommen wir zu den weniger erträglichen Kandidaten: Jessies Freund Patrick ist ein egomanisches A***l***, kriminell und gewalttätig noch dazu. Mir war dieser Charakter viel zu plump und klischeehaft. Ebenso Herr Hellmann, der Lehrer an einem Gymnasium ist und seines Zeichens Großmeister in Sachen Korruption, obendrein auch noch ein Waffennarr. Seine Frau behandelt er schlecht, die wiedrum ebenso klischeemäßig als essgestörter Öko beschrieben wird. Die Beziehung der beiden ist sehr schlecht, sie ignorieren sich und hassen sich schweigend an. Im Verlauf steigert sich das, doch die Szene, in der es dann eines Abends eskaliert, wirkte mir wiederum zu gestellt und zu übertrieben. Muss das wirklich sein?

Obwohl er und Patrick sich hassen, haben sie erstaunlich viel gemeinsam. Gleich am Anfang des Buches stoßen die beiden in einem Autounfall zusammen und lernen sich so kennen. Diese Szene ist im Grunde schon eine Vorschau auf den Rest des Buches. Für diese Darstellung könnte man sogar üer einen halben Pluspunkt nachdenken...

Die demente Mutter von Katharina Debus war für mich ebenfalls nicht überzeugend. Ich bin da sicher keine Expertin, aber es sah häufig eher nach Alzheimer aus als nach Demenz, kam und ging viel zu abrupt und fiel dann auch viel extremer aus als glaubwürdig gewesen wäre. 

Auch bei dem kleinen Marvin hatte ich meine Probleme. Er war zwar immer dabei, aber nie präsent. Offiziell ist er drei Jahre alt, aber beim Lesen hatte ich die meiste Zeit das Gefühl, er sei noch ein Säugling. Ich kann nicht gut schätzen, wie weit Kinder wann entwickelt sind, aber ich habe es jedenfalls als sehr unstimmig empfunden.

Ebenfalls gestört hat mich auch, dass der Autor sich übertrieben stark mit Fäkalien beschäftigt. Warum muss ich ständig im Detail lesen, wie der Urin oder sonstwas von jemandem aussehen? Teilweise erschienen mir die Beschreibungen, als würde der Autor hier einen Fetisch ausleben - ich mag sowas jedenfalls nicht in der Häufigkeit und Ausführlichkeit gerne lesen. 

Auch die Handlung an sich bleibt sehr dünn. Gerade am Ende gibt es größere Zeitsprünge und manches wird nie aufgeklärt, wie etwa die Frage, welches Problem Hellmanns Söhne eigentlich die ganze Zeit miteinander haben. Von Jessies Bruder weiß man nur, dass er schwarze Klamotten trägt und Bands mit unaussprechlichen Namen hört. Patrick betitelt ihn einmal als Nazi, darauf wird jedoch nie näher eingegangen. Soll das nun heißen, Jessies Bruder ist ein Nazi? Oder ist er ein normaler Teenager, der gerne Metal hört und von Patrick fälschlicherweise als Nazi bezeichnet wird, weil ihm vielleicht gerade nichts besseres einfällt? Wenn dieses Wort fällt, erwartet man irgendwie, dass sich damit auch beschäftigt wird. 

Zuletzt das Wichtigste: Der Stromausfall selbst. Obwohl der Strom so lange weg ist, scheint es nirgends wirklich zu Engpässen mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln kommen. Niemand hat je Hunger und nichts zu essen. Außer, dass ein paar Leute im Fahrstuhl stecken bleiben und das Licht ausgeht, passiert eigentlich gar nicht so viel. Zumal ja die Hälfte der Charaktere Zugang zu Dieselgeneratoren hat und auch das Krankenhaus nur in den ersten paar Stunden ohne Strom dasteht. Außerdem scheinen alle unbegrenzt über Kerzen zu verfügen. Selbst das Radio läuft wie gewohnt -  na gut, das mag batteriebetrieben sein, aber dass man auch zum Aufnehmen und Senden von Radiomeldungen Strom benötigt, daran scheint man nicht gedacht zu haben. Was ich auch vermisst habe, ist die Polizei. Man würde doch erwarten, dass die sich anschickt, das Chaos zu regeln?

Insgesamt hat mich dieses Buch einfach nur mit einem "WTF?!" zurückgelassen. Was habe ich da gerade gelesen? 






Fazit
Dieses Buch ist seltsam, unausgereift, oberflächlich, unsympathisch und in gewissem Maße verstörend. Man fragt sich, was den Autoren dazu bewogen hat, seine Charaktere ausgerechnet so auszuwählen und zu gestalten und gleichzeitig will man es lieber gar nicht wissen. Es hat eigentlich nur Unverständnis und Kopfschütteln bei mir ausgelöst. Nicht zu empfehlen.



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