Donnerstag, 1. März 2018

[Rezension] "Das Mädchen mit den gläsernen Füßen" von Ali Shaw



 Autor: Ali Shaw | Verlag: Script5 | 400 Seiten
erschienen am 09. Januar 2012 | Preis: 19,95 € (Hardcover) | ISBN: 978-3839001318


Handlung
Ida hat eine mysteriöse Krankheit: Ihre Füße werden zu Glas. So kommt sie nach St. Hauda's Land, wo die Geschichte ihren Anfang nahm, um herauszufinden, was mit ihr passiert und ob man das Glas aufhalten kann. Dabei begegnet sie Midas, einem eigenbrötlerischen Fotografen. Gemeinsam erforschen die Moore von St. Hauda's Land und nicht zuletzt auch diverse Lebensgeschichten, die schicksalhaft verwoben scheinen.



Cover
Das Cover ist wunderschön, auch wenn es nichts direkt aus dem Buch zeigt, außer man legt die Pflanzen als Moorlandschaft aus. Unglaublich schön finde ich auch den silbernen Buchschnitt, den aber - glaube ich? - nicht alle Auflagen haben.



Glasfüße, Ochsenmotten und weiße Wesen
Dieses Buch lebt vor allem von seinen Charakteren, die sehr liebevoll ausgestaltet wurden.

Midas ist ein misantropischer Eigenbrötler, arbeitet in einem Blumenladen und lebt für die Fotografie. Ich mag ihn! ;) 
Zu seinem Chef und dessen kleiner Tochter Denver hat er ein familiäres Verhältnis. Denver hat für ihr junges Alter schon sehr viel Weitblick und zeigt Midas manchmal Dinge auf, die er selbst nicht sieht. Midas' Leben wurde überschattet durch den Tod seines Vaters, zu dem er zeitlebens ein schwieriges Verhältnis hatte.

Ida hatte dagegen nicht so viel Tiefe, obwohl sie die eigentliche Hauptfigur ist. Über ihre Eltern erfährt man nur wenig, über ihr Verhältnis zu ihnen noch weniger. Auch über Leben, bevor sie krank wurde, wird wenig offenbart. Dass sie ein wildes Leben voller Adrenalinkicks geführt haben soll, scheint dann wieder so gar nicht zu ihr zu passen, da sie im Buch ein sehr ruhiger Charakter ist. Insgesamt fand ich es nicht ganz stimmig. Zudem ist sie sehr naiv, so bleibt sie mit einem völlig Fremden allein in dessen Hütte fernab der Zivilisation und schickt Midas weg, entwickelt zu Midas auch extrem schnell eine sehr enge Bindung und bedrängt ihn schon regelrecht. Das fand ich alles nicht immer unbedingt stimmig.

Carl, der alte Freund von Idas Mutter, versucht ihr zu helfen. Seine Rolle und Entwicklung in diesem Buch waren absolut vorhersehbar und haben mir leider nicht gefallen. Er wirkt schon ziemlich besessen und im Verlauf immer psychotischer.

Sehr sympathisch war mir dagegen Henry Fuda, der als Einsiedler tief im Moor lebt und durch diese Abgeschiedenheit schon einige Wunderlichkeiten dort entdeckt hat. Dazu gehören die Ochsenmotten, kleine geflügelte Kühe, um die er sich hingebungsvoll kümmert. Henry kannte wiederum früher Midas' Mutter, die den Kontaktabbruch nie ganz verwunden hat.

Das Buch ist spannend geschrieben, hat eine dichte, geheimnisvolle Atmosphäre und man kommt all den Geheimnissen dieser Insel immer näher. Und man will unbedingt wissen, was dort vor sich geht!
Leider wird man diesbezüglich enttäuscht, da das allermeiste nie aufgeklärt wird. Das hat mich ziemlich frustriert, den was ist dann der Sinn all dieser Phänomene und Geschichten? 

Was ist die Endaussage dieses Buches? Dass es manchmal Dinge gibt, die wir einfach nicht erklären können? Dass wir an Dinge glauben sollten, die wir nicht für möglich halten? Dass wir nicht auf jede Frage eine Antworten finden können? Dass manchmal furchtbare Dinge geschehen, die wir aber nicht ändern können? Dass es sehr wohl zu spät sein kann, um Fehler wieder gut zu machen? Dass wir letztlich alle Opfer unseres Schicksals sind?
Wie man sieht, hat es mich durchaus nachdenklich zurückgelassen, doch anstatt mir selbst all diese Fragen zu stellen, hätte ich die Antwort lieber aus dem Buch erfahren.


Fazit
Für das Ende und die ganzen nicht vorhandenen Erklärungen und im Sande verlaufenen Aspekte etc. muss ich leider ganz schön was abziehen. Auch Ida war als Charakter nicht ganz überzeugend. Pluspunkte gibt es für die fantastische Atmosphäre und die kreativen Ideen des ganzen Szenarios, ebenso für Midas und Denver. Ich kann mich nicht so richtig zwischen 3 und 4 Sternen entscheiden, es wäre wohl eigentlich eine 3,5. Wäre das alles am Ende aufgelöst worden, was mich interessiert hätte und wären manche Handlungsstränge anders verlaufen, wäre es eine klare 4 gewesen, wenn nicht gar eine 5, aber ich kann ja leider nur bewerten, wie es ist...





Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen