Montag, 16. April 2018

[Rezension] "Vier Tage im November" von Johannes Clair

 
 Autor: Johannes Clair | Verlag: Ullstein Verlag erschienen am 10. Oktober 2012*
  416 Seiten | Preis: 12,00 € (Taschenbuch/Broschur) | ISBN: 978-3548375212

*erschienen 2012 unter "Econ Verlag", ab 2014 unter "Ullstein Verlag" mit einer Ergänzung am Schluss


Handlung
Johannes Clair meldete sich freiwillig für den Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan. In diesem Buch beschreibt er seine Erlebnisse dort, genauer gesagt in und um Kunduz, darunter der Alltag der Soldaten, Gefechte, Sprengstoffanschläge und wie der Einsatz seine Psyche belastet und verändert hat.



Cover
Das Cover zeigt den Autoren selbst mit einem Bild aus dem Einsatz und erscheint mir passend und auch ansprechend gestaltet. Der Schriftzug sorgt zudem dafür, dass man auf den ersten Blick weiß, um welches Thema es geht.


"Angst, alles zu verlieren. Aber was ist alles?"
Es fällt mir schwer, zum Inhalt etwas zu sagen, weil ich niemandem etwas vorwegnehmen möchte.

Die beschriebenen Szenen haben mich im wahrsten Sinne des Wortes beeindruckt. Nicht nur die Gefechtssituationen, die sehr lebendig nacherzählt werden, sondern insbesondere auch der Alltag der Soldaten, die vor allem auf den Außenposten unter teilweise sehr widrigen Bedingungen ausharren müssen. Auch das Klima macht ihnen zu schaffen und die psychische Belastung der Gesamtsituation, auch die Belastung für seine Beziehung und seine Familie werden thematisiert.

Der Schreibstil ist unerwartet poetisch und verleiht dem Buch viel Atmosphäre. Der Autor betrachtet seine Erlebnisse auch sehr reflektiert, sehr ehrlich und analytisch, was mir sehr gut gefallen hat. So konnte man vieles unheimlich gut nachvollziehen und sich in ihn bzw. seine Situation hineinversetzen.

Im Mittelteil des Buches sind auch ein paar Fotos aus seiner Zeit in Afghanistan zu sehen, was ich auch sehr schön fand, da man sich dann auch viel besser vorstellen kann, was er dort vorgefunden hat.

Schade fand ich, dass das Buch nur bis zur Operation im November geht und der Rest seines Einsatzes sowie seine Rückkehr nach Deutschland nicht mehr beschrieben werden. Mich hätte sehr interessiert, wie der Winter in Afghanistan im Vergleich zu dem unglaublich heißen Sommer ist, wie er sich auf die Einsätze ausgewirkt hat etc. Auch hat er später die Bundeskanzlerin auf ihrem Besuch in Kunduz getroffen, diese Anekdote wäre auch interessant gewesen. Allerdings denke ich, dass das nicht am Autor sondern am Verlag gelegen haben wird, denn der Verlag war auf ihn zugekommen und fragte nach einem Bericht aus der Zeit, als die Bundeswehr in Kunduz auf einen offensiveren Kurs wechselte, der schließlich in Operation Halmazag (wonach das Buch aufhört) seinen Höhepunkt erreichte. Der Einsatzabschnitt danach war also nicht Teil dessen, was den Verlag interessiert hatte und vielleicht kommt er deshalb im Buch auch nicht vor.

Auch hat der Autor dieses Buch direkt nach seiner Rückkehr geschrieben, als ihm noch nicht bewusst war, dass er seit dem Einsatz unter PTBS leidet. Ich frage mich, ob er das Buch heute anders schreiben würde bzw. würde mich da eine Zusammenfassung seines Weges nach dem Einsatz sehr interessieren. Dieses Thema bespricht er auf Youtube auf seinem Kanal und in Vorträgen, siehe Links unten.


Fazit
Sehr eindrucksvoller Bericht, der einem zeigt, was die Soldaten dort eigentlich erleben und wie schwer sie es haben. Leider wird fast überall vermittelt, sie würden dort im Grunde nichts zu tun haben, was ich äußerst fatal finde. Soldaten sollten unbedingt mehr für ihre Leistungen im Einsatz anerkannt werden - unabhängig davon, ob man den Einsatz an sich gutheißt oder nicht. Auch gibt es hier keinen unnötigen Pathos und keine selbstdarstellerische Überheblichkeit - nur eine sehr ehrliche Beschreibung und ein reflektiertes Auseinandersetzen mit sich selbst. Einzig schade finde ich, dass nicht der ganze Einsatz festgehalten wurde.
Sternebewertungen vergebe ich für Biographien nur für die Umsetzung, nicht aber für den Inhalt, da man menschliches Schicksal aus meiner Sicht nicht bewerten kann und darf. Ich finde dieses Buch äußerst lesenswert und möchte es jedem empfehlen!




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