Dienstag, 15. Mai 2018

[Rezension] "33 Cent - um ein Leben zu retten" von Louis Jensen



Autor: Louis Jensen | Verlag: dtv | 192 Seiten | erschienen am 01. März 2015
Preis: 7,95 € (Taschenbuch) | ISBN: 978-3423625968



Handlung
Als der Protagonist davon hört, wieviele Kinder täglich in Afrika verhungern und dass es nur 33 Cent bräuchte um eines von ihnen zu ernähren, entschließt er sich so viel Geld wie möglich zu sammeln, um zu helfen. Schnell wird er dabei immer besessener von dieser Vorstellung.




Cover
Zum Cover gibt es nicht viel zu sagen. Die Gestaltung mit der 33 finde ich ganz nett und sorgt für wenigstens ein bisschen Abwechslung auf einem Cover, auf dem außer Schrift nichts ist. Irgendwie passt es aber auch zum Buch.



Verrückt oder als einziger normal?
Das ist wohl die Frage, die man sich während des Lesens stellt oder zumindest stellen sollte.

Der namenlose Protagonist beschließt zu Anfang des Buches, nur noch jeden zweiten Tag zur Schule zu gehen und an den anderen Tagen im Supermarkt zu arbeiten. Aber auch das Geld, was er dort verdient, reicht ihm nicht aus und er beginnt teure Dinge zu stehlen und zu verkaufen. Umd en Diebstahl dreht sich ein Großteil des Buches und darum, dass es natürlich eine Straftat ist. Er selbst sieht sich aber als moderner Robin Hood und stützt sich auch auf ein paar Anekdoten aus der Bibel, um sein Handeln zu rechtfertigen.

Mit der Zeit steigert er sich immer wahnhafter in seine Vorstellung hinein, er müsse alle Kinder in Afrika vor dem Verhungern retten und redet zuhause und in der Schule von nichts anderem mehr. Allerdings bewirkt das, dass seine Predigten hier und da auf fruchtbaren Boden fallen: Seine kleine Schwester baut das Hungerthema in ihre Barbiegeschichten ein und gibt ihm auch einmal Geld, ebenso einer seiner Lehrer und seine Mitschüler, ebenso seine Großmutter. Jedoch bleibt es hier immer bei Einzelfällen und aus seinen Ambitionen entsteht keine Bewegung. Auch nehmen seine Aktionen um an Geld zu kommen immer krassere Ausmaße an.


!! Achtung: Spoiler bzgl. Ende !!

Auch seine Freundin Anne kann er für seine Ideen gewinnen. Als sich ihm im Supermarkt schließlich die Gelegenheit bietet den Kühllaster mit Lebensmitteln zu stehlen, machen sich die beiden Teenager auf den Weg nach Afrika, in der naiven Vorstellung die Lebensmittel dort einfach an notleidende Kinder verteilen zu können. Tatsächlich schaffen sie es auch bis nach Afrika - unter anderem mithilfe einer mysteriösen weißen Dame - werden jedoch kurz darauf überfallen und der Laster geraubt. Anne kommt dabei ums Leben. 

Dies ist tatsächlich die gesamte Handlung des Buches, bis auf den Epilog. Und leider steht all das auch schon auf dem Klappentext in ähnlicher Form, was ich sehr schade finde. Die Fahrt nach Spanien ist seltsam und natürlich unrealistisch, so weit würden die in Wahrheit niemals kommen. Über die weiße Dame kann auch viel spekuliert werden. Der Protagonist hält sie für einen Engel; wenn man das nicht glauben will, findet man kaum eine plausible Erklärung und ist frustriert. Der Tod seiner Freundin ist aus meiner Sicht völlig unnötig.

- Spoiler zuende -


Ein Großteil des Buches beschäftigt sich damit, dass wir alle viel mehr besitzen als wir wirklich zum Leben bräuchten und wie einfach jeder von uns einfach die Hälfte abgeben und mit weniger leben könnte. Das ist sicher auch der wichtigste Punkt in diesem Buch, weil er zum Nachdenken anstößt. Natürlich will das niemand, weil keiner auf den gewohnten Luxus verzichten möchte und sich nicht in der Pflicht sieht, den Armen zu helfen. Der Protagonist erscheint dagegen wahnhaft und verrückt, obwohl er eigentlich als Einziger das Richtige tut und von der Not der Hungernden berührt wird und helfen will. Sind nicht in Wahrheit alle die Verrückten, die das nicht tun?

Weiterhin geht es um die Grundsatzfrage, ob man stehlen darf von denen, die viel mehr als nötig besitzen, um es denen zu geben, die viel zu wenig haben. Robin Hood ist das große Vorbild des Protagonisten. Hierbei hat mich allerdings gestört, dass der eigentlich 14-jährige dieses Thema gedanklich behandelt wie es ein 10- bis 12-jähriger tun würde und versucht das Bild von Robin Hood und dem Sheriff eins zu eins in die Realität zu übertragen und herauszufinden, wen er als den bösen Sheriff brandmarken und zu seinem Feind erklären kann. Das wirkte übertrieben und passt natürlich zu seiner Wahnhaftigkeit, hat aber trotzdem gestört. Insgesamt ist aber auch dieses Thema wichtig, denn Robin Hood ist eine beliebte Heldenfigur und man bewertet sein Verhalten immer als richtig. Transportiert man die selbe Handlung aber in die Gegenwart, ist man plötzlich dagegen, denn es ist ja ein Verbrechen. Und vor allem will niemand selbst von Robin Hood um ein paar überflüssige Dinge erleichtert werden. So zeigt einem der Autor, wie inkonsequent man häufig in den eigenen Moralvorstellungen ist.


Fazit
Ein Buch, dass sich aufgrund seiner Kürze in wenigen Stunden durchlesen lässt, dabei aber ein paar wichtige Ansätze zum Nachdenken gibt. Als reine Unterhaltungslektüre nicht gut geeignet, aber für jeden, der Gesellschaftskritik mag, gerne nachdenkt und gerne zwischen den Zeilen liest. Ich könnte mir vorstellen, dass das Buch auch gerne als Schullektüre verwendet wird, weil es viel zum analysieren und interpretieren hergibt. Ich schwanke zwischen 3 und 4 Sternen, entscheide mich aber aus reinem Bauchgefühl für 3, weil mich der hintere Teil nicht überzeugt hat und es mir zwischendrin zu lange auf der Stelle getreten und sich zu oft wiederholt hat. Pluspunkte gibt es aber für die Denkansätze und die Botschaft, die darin stecken.





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