Mittwoch, 9. Mai 2018

[Rezension] "Das Geheimnis der Muse" von Jessie Burton



Autorin: Jessie Burton | Verlag: Insel Verlag | 461 Seiten
erschienen am 12. März 2018 | Preis: 14,95 € (Broschiert) | ISBN: 978-3458363293


Handlung
London in den 60er Jahren: Odelle ist erst vor einiger Zeit aus Trinidad nach London gekommen und kann einen Job als Schreibkraft in einem Kunstinstitut ergattern. Kurz darauf lernt sie Lawrie kennen. Von seiner Mutter hat er nichts als ein Gemälde geerbt. Als er es zur Schätzung ins Kunstinstitut bringt, beginnt für Odelle eine verwirrende Geschichte. Wer hat dieses Bild gemalt? Was ist mit ihm geschehen und wie kam das Bild zu Lawrie?

Malaga in den 30er Jahren: Olive ist Tochter eines österreichischen Kunsthändlers und einer reichen Engländerin. Mit ihren Eltern ist sie in die spanische Provinz gezogen, um Ruhe vor den politischen Unruhen im übrigen Europa zu finden, doch auch Spanien ist ein politisches Pulverfass. Olives Leidenschaft ist das Malen, was sie jedoch vor ihren Eltern geheim hält.
Kurz nach ihrer Ankunft erscheinen Isaac und Teresa und bieten an, für die Familie zu arbeiten. Zwischen Teresa und Olive entwickelt sich bald eine vertraute Freundschaft. Auch Isaac ist in seiner Freizeit Künstler, was schon bald für Aufmerksamkeit sorgt.



Cover
Das Cover finde ich sehr ansprechend gestaltet. Vor dem dunklen Hintergrund heben sich die Farben richtig schön hervor und die Ornamente fallen einem sofort ins Auge, vor allem die Schlagen. Das Cover macht einen künstlerischen und zugleich geheimnisvollen Eindruck.



Drei Frauen, ein Gemälde
Die Handlung mag zunächst wenig spannend klingen, jedoch hatte mich dieses Buch wirklich gefesselt! Die Autorin erzeugt eine unglaublich dichte Atmosphäre, so als wäre das Ganze real.

Die Charaktere sind allesamt facettenreich und einzigartig. Obwohl man häufig über ihre Biographien weniger erfährt, wirken sie sehr plastisch und echt und sind einem auch fast alle sehr sympathisch.

Odelles Handlungsstrang bekommt eine Besonderheit dadurch, dass sie aus Trinidad stammt und dunkelhäutig ist, sodass ihr immer ein gewisser Alltagsrassismus begegnet. Das hat die Autorin jedoch ebenfalls sehr realistisch dargestellt und nicht plakativ nur um den Zeigefinger zu heben. Auf diese Weise kann man auch viel besser nachvollziehen, wie es überhaupt in Menschen dazu kommt.

Olive ist fast das genaue Gegenteil von Odelle aber auch sehr sympathisch. Sie leidet unter der mangelnden Anerkennung durch ihre Eltern, ist noch jung und weiß noch nicht viel vom Leben. In ihrem Handlungsstrang ist Emanzipation ein gesellschaftlicher Kritikpunkt und auch die politische Situation in Spanien trägt hier zur Spannung bei.

Dass es auch einen Handlungsstrang aus Teresas Sicht gibt, hat mich zunächst überrascht. Sie arbeitet als Hausmädchen bei der Familie und bekommt daher vieles mit, was den Familienmitgliedern selbst verborgen bleibt. So hütet sie bald einige Geheimnisse und hat selbst auch ihre eigenen...

Isaac war mir recht unsympathisch, obwohl man auch ihn nachvollziehen kann, manchmal jedoch auch so gar nicht. Im Verlauf zeigt er immer mehr unnötige Sturheit und sein zwischenmenschliches Verhalten ist immer öfter fragwürdig.

Auch die übrigen Nebencharaktere, wie etwa Odelles Arbeitskollegin und ihre Chefin, waren schön ausgearbeitet und glaubwürdig. Besonders gefallen hat mir Lawries Stiefvater, zu dem er kein gutes Verhältnis hat. Hier zeigt sich aber später, warum das so ist und dass Menschen nicht immer so sind, wie wir sie sehen oder dass wir sie manchmal nur nicht verstehen und sie aus einer anderen Perspektive plötzlich ganz anders scheinen.

Die Handlungsstränge wechseln sich im Buch ab. Dadurch weiß man als Leser immer schon mehr als Odelle, was aber nicht schlimm ist. Im Gegenteil, so wird es gerade interessant und zeigt, wie Informationen über die Jahre verschwimmen oder verloren gehen können und wie jemand die Dinge bewertet, der sie erst Jahrzehnte später entdeckt.

Der Schluss hat mich dann sehr überrascht. Das Buch legt ein paar falsche Fährten, weißt aber auch auf vieles schon früh sehr offensichtlich hin. Dennoch kam es am Ende anders als ich gedacht hätte. Selbst hat mir aber unglaublich gut gefallen und war glaubhaft und passt einfach genau zum Buch.



Fazit
Dieses Buch hat mich sehr begeistert und ich bin so froh, dass ich es gelesen habe! Die dichte Atmosphäre, die verschiedenen Schauplätze mit ihren Eigenarten und die Charaktere sind sehr überzeugend und lassen es wirken, als sei all das wirklich passiert. Ich kann dieses Buch nur jedem empfehlen!





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